Eine Lesereise nach Friesland – Die Nordseehof-Saga

Brigitte Bonder

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Johanna, Adda und Feemke – drei Frauen, drei Geschichten. In ihrer Nordseehof-Trilogie erzählt Regine Kölpin vom Arbeitsalltag einer Schäferei, aber auch von Liebe, Hoffnungen und Enttäuschungen. Ganz nebenbei macht die Autorin viel Lust auf eine Reise in die Region Friesland an der Nordseeküste.

Die Geschichte beginnt mit Band 1 „Als wir träumen durften“ im Jahre 1948, als sich Johanna in den schlesischen Flüchtling Rolf verliebt. Der zweite Teil „Als wir der Freiheit nahe waren“ spielt im Jahr 1973 und handelt von der 18-jährigen Adda, die ihren elterlichen Hof an der Nordseeküste verlassen möchte, um in der Großstadt eine Ausbildung zur Krankenschwester zu machen. Das Finale der Saga „Als wir den Himmel erobern konnten“ dreht sich im Jahr 1993 um die junge Feemke, der eigentlich alle Wege offen stehen. Doch eigentlich fühlt sie sich nur in der Landschaft des hohen Nordens zu Hause.

Die Autorin im Gespräch

In der Nordseehof-Trilogie spiegelt sich ein Stück Lebensgeschichte der Autorin wider. Im Ruhrgebiet geboren lebt sie seit dem fünften Lebensjahr in Friesland und macht mit ihren Büchern Lust auf eine Reise in den Norden. Wir haben die Autorin zu ihrer spannenden Saga interviewt.

Frau Kölpin, was gefällt Ihnen an Ihrer friesischen Heimat so gut?

Ich habe den Großteil meines Lebens an der Küste verbracht und bin hier ausgewachsen. So fühle ich mich als ein Teil der Region und „friesisch sozialisiert“. Manchmal glaube ich, bei uns im Norden ticken die Uhren langsamer. Mich faszinieren die Ruhe der Menschen und die Weite der Landschaft, die zudem von vielen Kanälen und sogenannten Tiefs durchzogen ist.

Am Ems-Jade-Kanal © www.ostfriesland.travel

Ich bekomme dort sofort das Gefühl von Freiheit und kann wunderbar durchatmen. Durch die Marsch zu spazieren oder zu radeln ist zu jeder Jahreszeit schön. Manchmal begegnet einem kein Mensch – nur Kühe, Schafe, Pferde und Vögel. Und natürlich ist es wunderbar, am Meer zu stehen und den würzigen Duft des Wattenmeeres zu inhalieren. Über die Salzwiesen zu schauen, zu sehen, wie sich Flora und Fauna ständig verändern – ein Genuss und ich entschleunige sofort.

Kutter im Hafen © Brigitte Bonder

Und haben wir hier diese einzigartig schönen Dörfer, in vielen stehen Windmühlen, die sich noch immer lustig drehen. In den Küstenorten liegen bunte Kutter in den kleinen Häfen. Die Zeit scheint stillzustehen.

Die Trilogie um den Nordseehof spielt zu verschiedenen Zeiten, in denen sich die Leser unterschiedlicher Generationen wiederfinden. Wie entstand die Idee?

Ich wollte die Geschichte von drei Frauengenerationen auf dem Land erzählen, beginnend in der Nachkriegszeit. Wie haben sie sich durchsetzen können, wie verlief ihr Kampf um die Gleichstellung? Dazu habe ich viele Frauen befragt.

Schafe am Deich bei Dangast © www.ostfriesland.travel

Während meiner Recherche in einer Schäferei fand ich die Abläufe dort so spannend, dass ich mich dafür entschieden habe, die Story in einem solchen Betrieb anzusiedeln, denn Schafe gehören an der Küste zum alltäglichen Bild. Wichtig fand ich auch die Entwicklung der Landwirtschaft, da konnte mir mein Schwiegervater weiterhelfen.

Sie haben in der Saga einen Bogen zum Ruhrgebiet gespannt, wie kam es dazu?

Ich bin dort geboren und mein Vater stammt nicht nur wie mein Protagonist Rolf aus Schlesien, er war auch viele Jahre als Steiger im Bergbau tätig. Ich fand die Recherche im Bergwerk unglaublich spannend und da der Kohleaufschwung zum Wiederaufbau dazugehört, hat er ebenso eine Stimme bekommen wie in den Folgebänden die politische Entwicklung in Deutschland, die dann Adda und Fenna durchleben. Da konnte ich auch auf eigene Erlebnisse wie die Friedensdemo in Bonn zurückgreifen.

Alles in allem ist die Nordseehofsaga ein Abbild der Entwicklungen auf dem Land in der Nachkriegszeit, aufgehängt an starke Emotionen und die Schicksale der drei Frauen Johanna, Adda und Feemke.

Foto © Regine Kölpin

Die drei Bände machen Lust auf eine Reise in den Norden. Verraten Sie unseren Lesern vielleicht ein paar Ausflugstipps aus Ihrer Heimat?

Hier ist es so schön, dass ich mich da wirklich kurzfassen muss. Ich lebe in der Nähe vom Jadebusen in Neustadtgödens im heutigen Friesland. Kundige Leser werden sicher bemerkt haben, dass Neusiel, der Ort im Nordseehof, eine Menge mit meinem Heimatdorf gemein hat. Und genau diesen Ort sollte man einmal aufsuchen und eine der vielen Gästeführungen buchen. Es ist mit fünf Kirchen das kirchenreichste Dorf Nordwestdeutschlands, ist 1545 von holländischen Glaubensflüchtlingen gegründet worden und noch in der Urform erhalten. Sogar die Synagoge steht noch. Außerdem hat Neustadtgödens zwei Mühlen, eine Kornmühle und eine Wasserschöpfmühle, die nach Absprache besichtigt werden können.

Mit dem Rad am Strand von Dangast © www.ostfriesland.travel

Wer gern Rad fährt, dem empfehle ich ausgedehnte Radtouren rund um den Jadebusen oder durchs südliche Friesland durch die Marsch. Und natürlich kommt man auch an der Kreisstadt Jever mit dem Schloss von Fräulein Maria nicht vorbei. Eine kleine kuschelige Stadt mit viel Historie.

Alter Hafen Hooksiel © www.ostfriesland.travel

Ich persönlich liebe zudem das Fischerdörfchen Hooksiel mit seinem malerischen Hafen, dem schönen Strand und dem Hooksmeer. Oder den Künstlerort Dangast. Jetzt muss ich aufhören, obwohl mir noch so viele weitere wunderbare Orte in meiner Gegend einfallen. Auf jeden Fall werden sich hier alle Radfahrer pudelwohl fühlen, weil es ein wunderbares Radwegenetz gibt.

Vielen Dank, Frau Kölpin, für das Gespräch und Ihre Tipps!