Bonn, 20.04.2026 (lifePR) – Fast alle jungen Menschen in Europa möchten einmal ins Ausland gehen: So lautet eine zentrale Erkenntnis aus dem aktuellen „Eurodesk Youth Information Survey 2025“. Die Ergebnisse der europaweiten Online-Erhebung liefern umfassende Einblicke in das Informations- und Mobilitätsverhalten der europäischen Jugend. In einer gesonderten Auswertung wurden Jugendliche in Deutschland betrachtet.

Der Eurodesk Youth Information Survey (Hauptstudie) untersuchte die Sichtweisen junger Menschen auf Lernmobilität, bestehende Barrieren sowie die bevorzugten Informationskanäle. Ziel ist es, die Informations- und Unterstützungsangebote von Eurodesk auf Basis dieser Daten weiter zu verbessern und Inklusion zu fördern. 

Die Schwerpunkte der Umfrage lagen auf:

  • Motivationen und Interessen an physischer gegenüber virtueller Mobilität,
  • Hindernissen wie Zeitmangel, fehlenden Informationen und administrativen Hürden,
  • sowie der Nutzung von künstlicher Intelligenz (KI) im Bewerbungsprozess.

Die zwischen Oktober und November 2024 durchgeführte Online-Umfrage befragte junge Menschen im Alter von 13 bis 35 Jahren aus 36 europäischen Ländern. Über 7.000 Antworten sind in die Auswertungen eingeflossen. Die wissenschaftlichen Analysen wurden von Ondřej Bárta durchgeführt. Bárta hat zunächst eine Auswertung für alle europäischen Länder erstellt. Dann wurden zwei Gruppen, junge Menschen mit Behinderung und chronischen Erkrankungen sowie Minderheiten, im europäischen Vergleich betrachtet. Zuletzt wurde ein Vergleich zwischen deutschen und internationalen Jugendlichen durchgeführt.

Wie stehen Jugendliche in Europa zum Thema Mobilität?

Grundsätzlich ist die Bereitschaft enorm: 98% der jungen Menschen sind offen für einen Auslandsaufenthalt, wobei 97% physische Formate vor Ort gegenüber hybriden oder virtuellen Aufenthalten klar bevorzugen. Rund 80% präferieren dabei eher kürzere Aufenthalte bis zu drei Monaten. Dennoch zeigen die Daten eine Diskrepanz zwischen Wunsch und Wirklichkeit:

  • 61% der Befragten absolvierten im Zeitraum 2022–2023 keinen Auslandsaufenthalt. Als Hauptgründe nannten sie Zeitmangel (29%) und fehlende Informationen (24%).
  • Die Suche nach Mobilitätsangeboten findet primär über Suchmaschinen, soziale Medien, Bildungseinrichtungen sowie Freunde und Familie statt. Bei den sozialen Medien dominieren Instagram (90%) und YouTube (80%).
  • Während KI insgesamt kaum für Bewerbungen genutzt wurde (3%), wurden Bewerbungen, die mit KI erstellt wurden, häufiger abgelehnt. 

Inklusion: Bedarfe der Fokusgruppen im Vergleich

Zwei Studien beleuchten detailliert die Herausforderungen von jungen Menschen mit einer Behinderung oder chronischen Erkrankung (ca. 6% der Befragten) oder die sich Minderheiten (ethnisch, „racial“, religiös; ca. 10% der Befragten) zuordnen im Vergleich zur Mehrheitsjugend (also jeweils allen anderen). Beide Gruppen sind genauso an Auslandsaufenthalten interessiert wie die Mehrheit der Jugendlichen. Aber sie stoßen im Vergleich zur Mehrheit oft auf höhere Barrieren: 

  • Diskriminierung ist eine massive Hürde: Ein alarmierendes Ergebnis ist, dass Diskriminierung bei beiden Gruppen deutlich stärker auftritt. Diskriminierung wurde bei 34% der Jugendlichen mit Behinderung erlebt und 32% der Jugendlichen aus Minderheiten. Das ist dreimal so häufig wie bei der Mehrheitsjugend. In der Beratung sollte proaktiv über Rechte und Schutzmaßnahmen aufgeklärt werden. Zudem benötigen diese Jugendlichen intensivere administrative Hilfe.
  • Soziales Umfeld: Familie und Freunde sind zum einen Motivator*innen, zum anderen aber auch häufiger Grund ein Hinderungsgrund. Sowohl bei Jugendlichen mit Behinderungen als auch bei jungen Menschen aus Minderheiten riet die Familie zu je 30% von einem Auslandsaufenthalt ab, was diesen oft komplett verhinderte. Das soziale Umfeld sollte demnach in die Beratung einbezogen werden, um Ängste abzubauen.
  • Barrieren: In beiden Gruppen gaben über 70% Jugendlichen an, dass finanzielle Probleme das größte absolute Ausschlusskriterium darstellen, oft bedingt durch zusätzliche Gesundheitskosten. Zudem erlebten 52% physische und 54% mentale Probleme vor Ort. Informationen zu Förderprogrammen und die Übernahme höherer Kosten sind für diese jungen Menschen essenziell. Spezifisch für Jugendliche mit Behinderungen müssen praxisbezogene Informationen (z.B. zu medizinischer Versorgung) bereitgestellt und Gesundheitsaspekte offen thematisiert werden.
  • Informationskanäle: Jugendliche aus beiden untersuchten Gruppen nutzen andere Kanäle zur Informationssuche als die befragten Jugendlichen im europäischen Durchschnitt. Bildungseinrichtungen wie Schulen oder Universitäten werden seltener genannt. Junge Menschen mit einer Behinderung nutzen eher Facebook oder Reddit und Jugendliche aus einer Minderheit auch Discord oder X. Letztere präferieren Jugendinformationszentren häufiger als die Mehrheit. Eine breitere Nutzung digitaler Plattformen lohnt sich hier.

Welche Besonderheiten zeigen sich bei Jugendlichen in Deutschland?

Jugendliche in Deutschland weisen im EU-Vergleich einige Besonderheiten auf:

  • Auslandsaufenthalte: Jugendliche in Deutschland wollen am liebsten reisen, ein Praktikum machen, arbeiten oder studieren. Der Auslandsaufenthalt soll am besten zwischen 3 und 6 Monaten liegen und physisch stattfinden. Deutsche Jugendliche sehen einen hohen Bildungswert, ins Ausland zu gehen, aber sie sehen deutlich weniger Vorteile für ihr persönliches und berufliches Leben.
  • Informationssuche: 38% der deutschen Jugendlichen, die einen Auslandsaufenthalt absolviert haben, verlassen sich auf die Familie bei Informationen und der Hilfe für Bewerbungen – ein Wert, der weit über dem internationalen Durchschnitt von 18% für Informationsweitergabe und 15% für die Hilfe bei der Bewerbung liegt.
  • Barrieren: Klimasorgen sind in Deutschland mit 41% ein signifikanter Hinderungsgrund (EU-Schnitt: 29%). Zudem ist die Angst, zu Hause Chancen zu verpassen, mit 49% sehr hoch. So sorgen sich 43% um eine Verlängerung ihres Studiums, die keinen Auslandsaufenthalt gemacht haben, und 19% derer, die im Ausland waren, haben ihr Studium verlängert.

Für die Fachkräfte der Jugendinformation in Deutschland ergibt sich aus der Studie die Empfehlung, Eltern gezielt als Multiplikator*innen anzusprechen und Kooperationen mit Schulen und Universitäten einzugehen. Um den Ängsten der Jugendlichen zu begegnen, sollten grüne Mobilitätsangebote stärker beworben und Tipps für ein erfolgreiches Zeitmanagement während des Studiums bereitgestellt werden. Auf Social Media sollte der Fokus auf Instagram und YouTube (auch über 90% Nutzung) gelegt werden.

Was bedeuten die Ergebnisse für die Jugendinformation?

Die vier Studien machen deutlich, dass Jugendinformationsdienste ihre Kommunikation zielgruppenspezifischer ausrichten müssen. Jugendliche aus unterschiedlichen Ländern und mit unterschiedlichen Bedarfen nutzen andere Informationsquellen und benötigen daher andere Informationen. Während Instagram und YouTube die dominierenden Kanäle bleiben, sollten für spezifische Gruppen auch Plattformen wie Discord oder Reddit bespielt werden.

Ein zentraler Aspekt der zukünftigen Beratung wird sein, nicht nur über Programme zu informieren, sondern mentale Hürden wie den „Kulturschock“ oder die Angst vor der Rückkehr aktiv zu thematisieren und administrative Hilfestellungen zu leisten. Ziel ist es, das Informationsangebot von Eurodesk so abzustimmen, dass Mobilität für alle Jugendlichen – unabhängig von ihrer persönlichen Lebenslage – zugänglich wird.

Über den Youth Info Survey

Der Youth Info Survey wird von Eurodesk Brussels Link durchgeführt und veröffentlicht (Eurodesk youth information survey Eurodesk. Youth information experts.). Für die Umfrage von 2024 liegen aktuell drei Studien vor: der Hauptbericht sowie zwei Studien zu Fokusgruppen:

Eurodesk Deutschland hat den Youth Info Survey für Deutschland im europäischen Vergleich veröffentlicht. Dieser ist auf Englisch im Bestellservice verfügbar.

Eurodesk Deutschland hat die Umfrageergebnisse in einem KI-gestützten Podcastst aufbereitet. Der Podcast dauert 5:28 Minuten und ist auf Deutsch: Link zum Podcast (MP3, 6,2 MB)

Hinweis: Dieser Artikel wurde mithilfe von NotebookLM und Gemini erstellt.