Wenn die ersten warmen Tage kommen und Balkon, Terrasse oder Parkbank wieder zu Lieblingsplätzen werden, steigt die Lust auf Geschichten, die an besondere Orte führen. Die folgenden Romane spielen an Küsten, auf Inseln und in Landschaften, die sofort Fernweh wecken – ideal für kleine Lesepausen im Alltag oder für die ersten freien Stunden im Strandkorb. Literatur, die nach Meer, Weite und Aufbruch klingt und den Frühling mit jeder Seite ein Stück näher bringt.

Eine neue Nordsee-Saga über Stürme, Schicksal und die Frage, wie man auf einer Insel lebt

Ruf der Wellen erzählt von zwei Frauen, die in unterschiedlichen Jahrhunderten leben und die doch vom gleichen Meer geprägt wurden. Im Jahr 1855 sitzt die junge Mutter Grete mit ihren Kindern und den übrigen Frauen der Insel im dunklen Kirchturm von Borkum, während draußen ein Sturm tobt, der alles zu verschlingen droht. Die Männer kämpfen gegen die Wellen, um das Wenige zu retten, das ihnen geblieben ist. Als der Damm bricht, weiß Grete, dass sie nur weitergehen kann, wenn sie den Mut nicht verliert.

Ruf der Wellen von Anna Jessen © Piper

150 Jahre später kommt die Geologin Helen nach Borkum, um die Wanderbewegungen der ostfriesischen Inseln zu erforschen. Für sie ist die Natur zunächst ein faszinierendes Forschungsobjekt – bis sie Carl begegnet, dessen Familie seit Jahrhunderten auf Borkum lebt. Durch ihn beginnt Helen zu verstehen, was es wirklich bedeutet, auf einer Insel zu leben, die sich ständig verändert: mit den Gezeiten, mit dem Wetter, mit den Sorgen um den Klimawandel, der die Nordseeinseln bedroht.

Anna Jessen verwebt Vergangenheit und Gegenwart zu einer berührenden Geschichte über die Macht der Elemente und die Kraft der Liebe. Die Sturmnacht von 1855, die Herausforderungen der heutigen Zeit und die Frage, wie man in einer Welt lebt, die sich unaufhaltsam wandelt – all das macht diesen Roman zu einer eindringlichen Hommage an Borkum und seine Menschen.

Warum lesen: Weil dieser Roman zeigt, wie eng das Schicksal der Inselbewohner mit dem Meer verbunden ist. „Ruf der Wellen“ ist atmosphärisch, emotional und voller Nordseemagie – eine Geschichte über Mut, Wandel und die Liebe zu einem Ort, der sich stets verändert. Ein stimmungsvoller Auftakt, der neugierig macht auf die weiteren Bände der Saga.

Ruf der Wellen“ von Anna Jessen ist der erste Band der Reihe und bei Piper erschienen.

Eine Familiengeschichte zwischen Inselwind, Fernweh und der Frage nach dem eigenen Weg

Das Salz in der Luft erzählt nicht nur von einer Reise über Kontinente, sondern auch durch die Zeit. Inge Martensen, die Nordfriesin mit dem bewegten Leben, blickt gemeinsam mit ihrer Urenkelin Swantje auf Jahrzehnte voller Entscheidungen, Verluste und Neuanfänge zurück. In New York, jener Stadt, in der sie als junge Frau Liebe und Schmerz erlebte, holen sie Erinnerungen ein, die lange geschlummert haben.

Der Roman springt zwischen den Generationen und zeigt Inge in verschiedenen Lebensphasen: als junge Frau, die in Manhattan ihr Glück sucht; als Mutter, die zwischen Verantwortung und Sehnsucht steht; und als ältere Frau, die in den späten 1970er-Jahren noch einmal aufbricht – ausgerechnet nach Sizilien, wo sie lernt, was Loslassen bedeuten kann. Diese Rückblicke verweben sich mit Swantjes Gegenwart, in der sie ihren eigenen Platz im Leben finden muss.

Das Salz in der Luft von Janne Mommsen © Rowohlt Verlag

Zwischen Föhr, Manhattan und Sizilien entsteht ein vielschichtiges Bild einer Familie, deren Geschichte sich über vier Generationen spannt. Janne Mommsen erzählt warmherzig, mit feinem Gespür für Atmosphäre und Figuren, die man sofort ins Herz schließt.

Warum lesen: Weil dieser Roman zeigt, wie berührend es sein kann, wenn Lebenswege sich über Jahrzehnte hinweg entwickeln. „Das Salz in der Luft“ ist eine Wohlfühlgeschichte voller Fernweh, Mut und Herzenswärme – ein Buch, das zum Träumen einlädt und daran erinnert, dass man seinen Weg manchmal erst erkennt, wenn man zurückblickt.

Das Salz in der Luft“ ist beim Rowohlt-Verlag erschienen.

Ein historischer Roman über Glauben, Zweifel und die Geburt einer weltberühmten Tradition

Mitten im Dreißigjährigen Krieg, als Pest und Verzweiflung das Land fest im Griff haben, ringt ein kleines Dorf in den Alpen um Hoffnung. Oberammergau steht am Rand des Untergangs – bis die Bewohner ein Gelübde ablegen, das ihr Schicksal für immer verändern wird: Wenn Gott sie verschont, wollen sie von nun an die Passion Christi spielen, Jahr für Jahr, für alle Zeiten.

Im Zentrum dieser dramatischen Epoche steht der junge Pfarrer Johannes, dem die kaum lösbare Aufgabe zufällt, das erste Passionsspiel auf die Beine zu stellen. Ohne Bühne, ohne Kostüme, ohne Text – und mit einer Dorfgemeinschaft, die zwischen Angst, Aberglauben und Trotz schwankt. Besonders Ortsvorsteherin Agnes, die ihre Kinder an die Pest verloren hat, stellt sich ihm entgegen. Ihr Schmerz ist so groß, dass sie Gott ablehnt und alles daransetzt, das Vorhaben zu sabotieren.

Oberammergau von Robert Löhr © Piper

Robert Löhr erzählt mit großer Bildkraft, wie sich das Dorf spaltet: in jene, die an das Gelübde glauben, und jene, die es für Wahnsinn halten. Zwischen Krieg, Krankheit und persönlicher Tragik kämpft Johannes darum, die Menschen zusammenzubringen und stößt dabei an die Grenzen seines Glaubens. Doch aus Chaos, Streit und Verzweiflung entsteht etwas, das die Welt bis heute fasziniert: die Oberammergauer Passionsspiele.

Warum lesen: Weil dieser Roman zeigt, wie aus Not und Hoffnung eine Tradition erwachsen kann, die Jahrhunderte überdauert. „Oberammergau“ ist packend, atmosphärisch dicht und voller historischer Wucht. Löhr verbindet akribische Recherche mit lebendiger Erzählkunst – ein fesselnder Blick auf die Anfänge eines Weltereignisses, das bis heute Menschen aus aller Welt bewegt.

Oberammergau“ von Robert Löhr ist bei Piper erschienen.

Ostfriesenerbe – Ein Jubiläumsfall voller Tempo, Küstenflair und nervenstarker Ermittlungen

Zwanzig Fälle – und kein bisschen Langeweile! Mit Ostfriesenerbe feiert Klaus-Peter Wolf nicht nur ein beeindruckendes Serienjubiläum, sondern schickt seine Kultkommissarin Ann Kathrin Klaasen in einen Fall, der alles von ihr fordert. Ostfriesland wacht an einem frühen Morgen in Unruhe auf: Zwei Leichen, abgelegt an symbolträchtigen Orten – vor dem berühmten Teemuseum und im neu eröffneten Krimimuseum. Die Gerüchte über einen „Museumsmörder“ machen die Runde, und die Angst greift schneller um sich als der Küstenwind.

Ostfriesenerbe von Klaus-Peter Wolf © Fischerverlage

Doch als Ann Kathrin Klaasen die Tote am Krimimuseum sieht, spürt sie sofort, dass dieser Fall komplizierter ist. Hinter den Morden verbirgt sich ein Vermächtnis, das sie persönlich trifft und das ihre Karriere, vielleicht sogar ihr Leben, an einen Wendepunkt bringt.

Warum lesen: Dieser Jubiläumsband zeigt, warum die Reihe längst Kultstatus hat. Klaus-Peter Wolf verbindet Tempo, Witz und Gänsehaut zu einer Mischung, die süchtig macht. „Ostfriesenerbe“ ist ein rasant erzählter, atmosphärischer Krimi, der die vertrauten Figuren mit neuen Herausforderungen konfrontiert – mal gruselig, mal frech, immer aber mitreißend. Ein Muss für alle, die Küstenkrimis lieben und Ann Kathrin Klaasen schon lange begleiten.

Ostfriesenerbe“ von Klaus-Peter Wolf ist bei den Fischerverlagen erschienen.