Leinen los für Freizeitkapitäne

Zum Artikel Leinen los für Freizeitkapitäne

Beim Hausboot-Urlaub lassen sich Abstands- und Hygieneregeln sehr gut einhalten. Für viele Fahrgebiete benötigen Urlauber keinen Führerschein und versorgen sich an Bord einfach selbst. Unsere Autorin hat den Versuch gewagt und war eine Woche mit ihrer Familie ab Joigny im Burgund auf einer Pénichette von Locaboat unterwegs.

Autarker Urlaub im Hausboot

An diesem frühen Morgen benetzen Tautropfen die halbrunde Sitzbank auf dem Sonnendeck der Alessandro Volta. Nur langsam zieht sich der Nebel aus dem Flusstal zurück und gleitet die Weinberge hinauf. Als endlich die Sonnenstrahlen hinter der Kirche Saint-Jean hervorblitzen, öffne ich die Schiebetür des Hausboots, steige über die schmale Treppe auf das Deck und trockne den Tisch.

Hausboot mit Ausblick auf Joigny © Thomas Sbikowski
Hausboot mit Ausblick auf Joigny © Thomas Sbikowski

Während mein Mann mit frischen Baguettes unter dem Arm über den Hafensteg balanciert, pfeift unten im Salon bereits der Wasserkessel auf dem Herd und wenige Minuten später sitzt unsere ganze Familie beim Frühstück und genießt den Blick auf die Altstadt der französischen Stadt Joigny.

7 Tage auf dem Wasser

Eine Woche lang geht es für uns mit einer Pénichette, einem typisch französischen Hausboot, über die Yonne und den Canal du Nivernais durch das Burgund. Diese Gewässer können Freizeitkapitäne auch ohne Bootsführerschein nach kurzer Einweisung problemlos befahren. Besonders abwechslungsreich ist die Strecke ab Joigny flussaufwärts durch Auxerre bis nach Châtel-Censoir. Unterwegs ziehen Wälder, Weinberge und Steilklippen vorbei, angelegt wird am Kanalufer mitten in der Natur oder in kleinen Häfen, die Landstrom und Frischwasser bereithalten.

Aussichtsreiche Fahrt durch das Burgund © Thomas Sbikowski
Aussichtsreiche Fahrt durch das Burgund © Thomas Sbikowski

Im Gegensatz zu anderen Hausbootrevieren gibt es im Burgund noch Schleusenwärter, die die Tore teilweise per Hand betätigen und beim Anlegen helfen. Ich habe mich schon auf die regionalen Produkte gefreut, die laut Reiseberichten an den Schleusen angeboten werden. „Bis vor rund 25 Jahren wurde wirklich Obst, Crémant oder Honig verkauft, doch diese Zeiten sind leider vorbei“, blickt Fahrlehrer Yves zurück. Der sympathische Franzose arbeitet seit fast 30 Jahren bei der Locaboat-Basis in Joigny und zeigt Neulingen, warum das Bugstrahlruder beim Anlegen hilft und wie der Frischwassertank gefüllt wird. „Einen Bäcker gibt es aber in fast jedem Dorf und größere Orte haben gut sortierte Supermärkte.“ Damit steht dem gemeinsamen Kochen an Bord nichts mehr im Wege.

Yves gibt seit 30 Jahren Hausboot-Einführungen © Brigitte Bonder
Yves gibt seit 30 Jahren Hausboot-Einführungen © Brigitte Bonder

Nach dem Frühstück mit Aussicht steuern wir die Alessandro Volta flussaufwärts und absolvieren gleich am ersten Tag elf Schleusen.

In der Schleuse ist Teamwork gefragt © Thomas Sbikowski
In der Schleuse ist Teamwork gefragt © Thomas Sbikowski

Das Ziel der Etappe ist die Altstadt von Auxerre mit ihren verwinkelten Gassen, Fachwerkhäusern und Kathedralen. Wir legen auf der Yonne direkt im Zentrum an und genießen mit anderen Hausboot-Fahrern den besten Blick auf die Kirchtürme und Brücken der Stadt.

Abwechslungsreiches Programm an Land

Am nächsten Tag lädt der Weinkeller „Caves de Bailly Lapierre“ zur Einkehr. Vom kleinen Bootsanleger am Fluss sind es nur wenige Meter bergauf zu den Stollen eines ausgedienten Steinbruchs, in dem Weine aus der Region am Verkostungstresen ausgeschenkt werden. Aktivurlauber hingegen erklimmen einen Tag später die steilen Klippen in Merry-sur-Yonne oder radeln auf dem Treidelpfad entlang des Canal du Nivernais dem Boot voraus.

Ein Highlight der Tour sind die Klippen von Saussois © Thomas Sbikowski
Ein Highlight der Tour sind die Klippen von Saussois © Thomas Sbikowski

Nach drei Tagen und 34 Schleusen haben wir den Zielort Châtel-Censoir erreicht und parken das gut zehn Meter lange Hausboot erfolgreich ein. Von jetzt an geht es wieder flussabwärts nach Joigny. Für Abwechslung auf der Rückfahrt sorgen neue Übernachtungsorte und Ausflüge zum Weindorf Coulanges-la-Vineuse oder ins historische Champs-sur-Yonne.

Tipp: Wer im Hausbooturlaub im Burgund Strecke machen möchte, sollte morgens zeitig den Motor starten und sich rechtzeitig bei der ersten Schleuse des Tages telefonisch anmelden. „Einige meiner Kollegen sind für zwei Schleusen gleichzeitig zuständig“, erzählt uns eine junge Wärterin, während sie die Kurbel für die Tore bedient. „So kann es bei Schiffsverkehr aus beiden Richtungen zu Wartezeiten kommen.“ Dazu gibt es noch eine einstündige Mittagspause, in der alle Schleusen geschlossen sind.

Unterwegs sind immer wieder Schleusen zu absoliveren © Thomas Sbikowski
Unterwegs sind immer wieder Schleusen zu absoliveren © Thomas Sbikowski

Nach einem zu späten Start am ersten Tag sind wir für den Rest der Tour daher immer früh auf den Beinen. Auch am letzten Morgen in Gurgy wird der Frühstückstisch auf dem Sonnendeck rechtzeitig gedeckt. Und als das erste Hausboot im Hafen den Motor startet und langsam in den Kanal einbiegt, dreht auch mein Mann als Freizeitkapitän den Zündschlüssel und lenkt die Pénichette flussabwärts, bis die Altstadt von Joigny wieder hinter den grünen Hügeln auftaucht.

Nähere Informationen zu Locaboat:

Seit über 40 Jahren betreibt Locaboat Holidays eine große Flotte an Hausbooten auf europäischen Wasserwegen. Eines der zahlreichen Feriengebiete ist das Burgund. Eine abwechslungsreiche Tour führt in sieben Tagen von Joigny durch Auxerre bis nach Châtel-Censoir. Je nach Schiffstyp und Reisetermin beginnt die Bootsmiete bei 945 Euro/Woche. Die für vier Personen gut geeignete Pénichette 1020 FB beginnt bei 1.918 Euro/Woche. Zur Miete kommen Nebenkosten für Kraftstoff, Versicherung und evtl. Endreinigung. Die Reisen sind direkt bei Locaboat buchbar, Telefon 0761 207370, www.locaboat.com.

Hinweis: Die Tour wurde von Locaboat unterstützt. Auf die Meinung der Autoren hatte dies keinen Einfluss.